In Österreich bleibt die Inflation auch 2026 über dem Eurozonen-Niveau, insbesondere wegen anhaltend hoher Preise für Dienstleistungen, Lebensmittel und Energie. Diese Entwicklung wird durch Nachwirkungen früherer Preisschocks, strukturelle Marktprobleme und hohe Lohnabschlüsse begünstigt.
Die Inflation in Österreich bleibt auch im Herbst 2026 ein zentrales Wirtschaftsthema. Trotz einer gewissen Entspannung bei einzelnen Gütern zeigt die offizielle Schätzung weiterhin eine deutlich überdurchschnittliche Inflationsrate. Insbesondere Dienstleistungen, Energie und Lebensmittel führen dazu, dass die allgemeine Teuerung im Land hartnäckig hoch bleibt. Damit unterscheidet sich die Entwicklung in Österreich weiterhin vom Trend vieler anderer europäischer Länder: Preisrückgänge erfolgen langsamer, vor allem weil bestimmte Ausgabenbereiche weiter stark anziehen und grundlegende Marktstrukturen eine rasche Beruhigung der Lage erschweren.
- Die Inflation liegt in Österreich höher als in den meisten anderen EU-Staaten.
- Vor allem Dienstleistungen, Energie und Lebensmittel verteuern sich weiter deutlich.
- Marktstrukturen wie geringerer Wettbewerb verzögern Preissenkungen spürbar.
Warum bleibt die Inflation in Österreich hoch?
Österreich verzeichnet seit Monaten eine der höchsten Inflationsraten im Euroraum. Obwohl die Energiekosten nach dem Schock von 2022 teilweise wieder zurückgingen, bleiben viele andere Preise auf hohem Niveau oder steigen weiter an . Die Gründe dafür liegen insbesondere in sogenannten Zweitrundeneffekten: Durch den ursprünglichen Preisschock verteuerten viele Unternehmen ihre Produkte – nicht nur im Energiebereich, sondern auch im Handel, in der Gastronomie und bei Dienstleistungen. Diese Effekte wirken weiterhin nach, obwohl sich der ursprüngliche Preistreiber längst abgeschwächt hat [3]. Zusätzlich führen hohe Lohnabschlüsse dazu, dass Unternehmen gestiegene Personalkosten direkt an die Kundschaft weitergeben; das stützt die Inflation zusätzlich .
Welche Preise steigen derzeit besonders?
Aktuell sind es vor allem drei Bereiche, die herausstechen: Dienstleistungen wie Gastronomie, Freizeitangebote und Friseure ziehen weiterhin überdurchschnittlich an . Auch Lebensmittelpreise klettern weiterhin, in manchen Bereichen sogar stärker als in den meisten EU-Staaten. Energiepreise – darunter Treibstoffe und Heizöl – sind zwar nach der akuten Krise gesunken, bewegen sich aber teils noch auf überdurchschnittlichem Niveau und zeigen auch nach wie vor Preisschwankungen. Während Dienstleistungen den größten Anteil zur aktuellen Inflation beisteuern, sorgen auch Lebensmittel, Tabak und Getränke weiterhin für einen spürbaren Preisauftrieb und markieren so die zentralen Treiber in Österreich.
Warum wirken Dienstleistungen besonders stark auf die Teuerungsrate?
Dienstleistungen haben im österreichischen Verbraucherpreisindex inzwischen großes Gewicht: Sie umfassen über die Hälfte der typischen Haushaltsausgaben. Ihr Preisniveau steigt tendenziell langsamer als jenes von Energie – wenn aber, dann oftmals mit Verzögerung und eher langfristig. Dabei spielt der hohe Anteil an Personalkosten eine entscheidende Rolle: Branchen wie Gastronomie, Hotellerie, Friseure oder Freizeitangebote reagieren sehr sensibel auf Lohnbewegungen. Steigen etwa Mindestlöhne oder werden neue Kollektivvertragsabschlüsse vereinbart, werden diese Mehrkosten häufig direkt auf die Preise umgelegt. Gleichzeitig ist der Markt für viele Dienstleistungen von wenig Wettbewerb geprägt, wodurch Unternehmen Preissteigerungen oft länger durchsetzen können, ohne rasch unter Druck zu kommen .
Typische Probleme
Genau diese Kombination aus strukturellem Personalkostenanstieg und geringer Wettbewerbslage bremst Preissenkungen deutlich aus. In den Bereichen Lebensmittelhandel, Handwerksleistungen oder regionaler Gastronomie sorgen wenige starke Anbieter häufig für festgefahrene Marktpositionen . So bleibt die Wahrscheinlichkeit, dass Preissenkungen sofort an die Kundschaft weitergegeben werden, gering. Gerade Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen werden von diesen Entwicklungen spürbar belastet, da sie einen relativ großen Teil ihres Budgets für jene Güter und Dienstleistungen aufwenden, deren Preise derzeit besonders schnell steigen [3].
Wie beeinflussen Energie- und Lebensmittelpreise die Inflation?
Steigende Energiekosten wirken sich zweifach aus: Sie treffen Haushalte direkt über Strom, Gas und Treibstoffe und indirekt als Kostenfaktor für Unternehmen, die ihre Preissteigerungen an private Endkunden weitergeben. Obwohl die Energiepreise zwischenzeitlich nachgegeben haben, schlagen frühere Preisschocks noch immer auf andere Sektoren durch [3]. Lebensmittel bleiben eine weitere Inflationsstütze, insbesondere Austria-spezifisch – im europäischen Vergleich zählt die Teuerung auf Nahrungsmittel nach wie vor zu den höchsten . Selbst wenn internationale Einkaufspreise sinken, dauert es in Österreich spürbar länger, bis diese Rückgänge an Endkunden weitergegeben werden – häufig sind es dabei fehlender Preisdruck und die Struktur des Lebensmittelhandels, die den Zeitverzug begünstigen.
Was sagen Verbraucherpreisindex und Kerninflation aus?
Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist das zentrale Messinstrument für die allgemeine Preisentwicklung in Österreich. Er gewichtet die Preisentwicklung eines typischen „Warenkorbs“ aus Gütern des täglichen Lebens und Dienstleistungen. Die sogenannte Kerninflation filtert kurzfristige Schwankungen – etwa durch Energie oder saisonale Lebensmittel – aus und spiegelt damit besser die grundsätzliche Veränderung der Kostenlagen im Land wider. Dass auch die Kerninflation in Österreich bislang deutlich erhöht bleibt, spricht für eine langfristigere und strukturelle Teuerung – nicht nur für einzelne, temporäre Ausreißer.
Was bedeutet die Teuerung für Haushalte und Kaufkraft?
Eine dauerhaft hohe Inflation wirkt sich direkt auf die Kaufkraft aller Haushalte aus – am meisten betrifft sie jedoch Menschen mit geringeren Einkommen, die einen Großteil ihrer Ausgaben für Wohnen, Lebensmittel und Verkehr aufbringen müssen. Die Tatsache, dass vor allem Dienstleistungen, Energie und Lebensmittel die bisherigen Preisbremsen überholen, bedeutet: Die Lohnsteigerungen, die in vielen Branchen durchgesetzt wurden, kompensieren oft nicht den vollen Kaufkraftverlust [3]. Das wirkt sich letztlich auch auf Konsumverhalten und allgemeine Wirtschaftsdynamik aus, da weniger Spielraum für andere Ausgaben bleibt.
Wann könnten die Preise wieder langsamer steigen?
Zwar zeigen einzelne Märkte – etwa bei bestimmten Rohstoffen oder im Großhandel – bereits Entspannungssignale. Doch die meisten Expertinnen und Experten erwarten aktuell lediglich einen langsameren Rückgang der Inflationsrate in den nächsten Monaten, keine Rückkehr auf das bereits niedrige Vorkrisenniveau. Die nachgeholten Preisanpassungen und die hohe Bedeutung personalintensiver Dienstleistungen sorgen für eine Verzögerung. Das heißt: Verbraucherinnen und Verbraucher müssen auch mittelfristig damit rechnen, dass Preise nur langsam weniger stark steigen, aber insgesamt weiter auf erhöhtem Niveau bleiben. Auch die Verzahnung von Löhnen, Wettbewerb und Preishistorie trägt dazu bei, dass die Zeit bis zur spürbaren Entspannung länger ausfällt als in vielen anderen Ländern.
Aktuelle Entwicklungen
Jüngste Berichte verzeichnen für Österreich weiterhin eine der höchsten Inflationsraten im Euroraum . Dienstleistungen und Lebensmittelpreise bleiben laut aktuellen Analysen die wichtigsten Inflationstreiber . Zugleich betonen viele Quellen, dass die sehr langsamen Preisanpassungen im Handel sowie die geringe Marktdynamik zentrale Hindernisse für eine raschere Normalisierung bleiben.
Quellen
[3] Inflation in Österreich: Warum bleibt die Teuerung so hoch? (ORF.at, 2024-05-03)


















